Ersatz von Abschleppkosten in die Vertrauenswerkstatt – berechtigt oder nicht?

Bei einem Verkehrsunfall stellt sich immer wieder die Frage, wohin das Fahrzeug abzuschleppen ist. Die Versicherungen möchten grundsätzlich, dass das Fahrzeug an die Werkstatt abgeschleppt wird, die örtlich am nächsten liegt. Für den Unfallgeschädigten ist es regelmäßig wichtig, das Fahrzeug in die Werkstätte abgeschleppt zu bekommen, die auch ansonsten das Fahrzeug und den Kunden betreut.

Das Amtsgericht Memmingen entschied mit Urteil vom 09.11.2018, 12 C 704/18, dass Abschleppkosten zur Vertrauenswerkstatt erstattungsfähig sind.

Im vorliegenden Fall ging es um Abschleppkosten von Memmingen ins Saarland. Die Strecke war von der Entfernung her nicht unbeachtlich, wobei der Geschädigte aus dem Saarland kam. Das Amtsgericht Memmingen entschied, dass diese Kosten erstattungsfähig seien. Sie seien auch im Vergleich zu den sonstigen Kosten, wie beispielsweise Bahnfahrt des Geschädigten, etc. nicht als besonders hoch zu werten. Es bestünde keine Verpflichtung, dass der Geschädigte beispielsweise Freizeit aufwende, um eine Reparatur am Schadensort durchführen zu lassen. Er habe das Recht, das Fahrzeug in seiner Vertrauenswerkstatt reparieren zu lassen.

Unser Tipp: Angesichts der Umstände in den meisten Unfallfällen wird es sinnvoll sein, das Fahrzeug in seine Vertrauenswerkstatt, jedenfalls bei größeren Schäden, abschleppen zu lassen. Ansonsten ist noch zu beachten, dass bei einer Reparatur vor Ort weitergehende Aufwände entstehen, wie beispielsweise eventuelle Übernachtungskosten, etc.